Die Förderung intelligenten Wissens mit kognitiv aktivierendem Unterricht
Schulischer Unterricht hat zum Ziel, sinnstiftendes Lernen und das Verständnis von Konzepten zu ermöglichen. Schülerinnen und Schüler sollen im Unterricht Wissen erwerben, das ihnen hilft, die Welt um sie herum zu verstehen und selbständig Ziele zu verfolgen. Allerdings sieht die Wirklichkeit oft anders aus. Die Lernenden erwerben häufig oberflächliches Wissen ohne tieferes Verständnis, das sie zwar kurzfristig für Prüfungen abrufen können, aber dessen isolierte Repräsentation in ihrem Gedächtnis dazu führt, dass es ihnen nicht zur Bewältigung neuer Anforderungen zur Verfügung steht. Um dies zu ändern, hat die empirische Lehr- und Lernforschung in den letzten Jahrzehnten verschiedene Lernformen entwickelt und getestet, welche die Konstruktion flexiblen – und dadurch intelligenten – Wissens unterstützen, das die Übertragung des Gelernten auf neue Situationen erleichtert. In dieser Fortbildung erhalten Lehrpersonen einen Überblick über den gegenwärtigen Forschungsstand zu solchen kognitiv aktivierenden Lernformen (siehe auch Schumacher & Stern: Intelligentes Wissen – und wie man es fördert. Springer Verlag, 2022).
«Kognitiv aktivierend» bedeutet, dass diese Lernformen die aktive Umgestaltung des Begriffswissens unterstützen, indem sie bei den Lernenden ein vertieftes Verständnis der jeweiligen Fragestellungen fördern, deren Vorwissen aktivieren und zu einer realistischen Einschätzung ihrer Wissensgrenzen beitragen. Wer zum Beispiel im Unterrichtseinstieg die Steigung von Graphen linearer Funktionen selbst aktiv konstruiert, der lernt mehr als jemand, dem dieses Konzept zum Einstieg einfach präsentiert wird (Abbildung 1). Die Lernwirksamkeit dieser Lernformen wird durch zahlreiche experimentelle Vergleichsstudien belegt (siehe zum Beispiel Schalk et al., 2017 und das folgende Video).

Abbildung 1: Beim Erfinden mit kontrastierenden Fällen werden die Schülerinnen und Schüler beim Unterrichtseinstieg dazu angeleitet, durch Abstraktion selbst ein bestimmtes Konzept wie zum Beispiel die Steigung von Graphen linearer Funktionen zu konstruieren. Anschliessend wird mit ihnen die richtige Lösung diskutiert.
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Themenübersicht:
- Die Bedeutung des Vorwissens für das Lernen
- Problemlösen als Unterrichtseinstieg
- Produktives Scheitern
- Erfinden mit kontrastierenden Fällen
- Unterschiede mit Vergleichen und Kontrastierungen herausarbeiten
- Geistige Werkzeuge zur Unterstützung des Wissenstransfers
- Die aktive Umgestaltung des Begriffswissens
- Wissenskonstruktion durch Selbsterklärungen
- Modellvergleiche
- Instruktionen zur selbständigen Kontrolle des Lernstands
Im Anschluss an die Darstellung der Lernformen kann mit den Lehrpersonen deren praktische Umsetzung im Unterricht geübt werden.
Kontakt
elsbeth.stern@gess.ethz.ch

